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Sommerhitze: Diese Medikamente müssen gekühlt werden

Asthmasprays und Insulin sind temperaturempfindlich

2017 leisteten die Apotheken in Deutschland rund 470.000 Nacht- und Notdienste und garantierten somit rund um die Uhr eine flächendeckende Arzneimittelversorgung im gesamten Bundesgebiet. Diese und weitere Zahlen veröffentlicht die ABDA am 6. Juni 2018 in der aktuellen ABDA-Statistikbroschüre „Die Apotheke 2018: Zahlen, Daten, Fakten“. Foto: ABDA
2017 leisteten die Apotheken in Deutschland rund 470.000 Nacht- und Notdienste und garantierten somit rund um die Uhr eine flächendeckende Arzneimittelversorgung im gesamten Bundesgebiet. Diese und weitere Zahlen veröffentlicht die ABDA am 6. Juni 2018 in der aktuellen ABDA-Statistikbroschüre „Die Apotheke 2018: Zahlen, Daten, Fakten“. Foto: ABDA

Jedes Jahr am 7. Juni ist der „Tag der Apotheke“. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ruft diesen Aktionstag seit 1998 aus, um auf den Stellenwert der öffentlichen Apotheken als Instanz im Gesundheitswesen hinzuweisen und auf die Bedeutung apothekerlichen Heilberufes für die Arzneimittelversorgung aufmerksam machen. Dabei stehen die Betreuung der Patienten durch das pharmazeutische Personal und das breite Leistungsspektrum der Apotheken im Fokus. Viele Apotheken nutzen den Tag der Apotheke für besondere Aktionen und informieren über Gesundheitsthemen.

In Deutschland werden jedes Jahr fast 30 Millionen besonders temperaturempfindliche Arzneimittel abgegeben. Gerade an heißen Sommertagen müssen sie gekühlt werden, damit sie wirksam bleiben. Die Zahl entspricht knapp fünf Prozent der jährlich mehr als 660 Millionen ärztlich verordneten Medikamente, die Patienten in den Apotheken erhalten. Das ergeben Berechnungen des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) für zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnete Arzneimittel im Jahr 2017.

Demnach gelten 19,5 Millionen Medikamente als Kühlartikel, deren Lagertemperatur bei maximal 8 Grad Celsius liegen darf. Dazu kommen noch 8,2 Millionen kühlkettenpflichtige Arzneimittel, die innerhalb der gesamten Lieferkette sowie bei der Lagerung ohne Unterbrechung zwischen zwei und acht Grad Celsius gekühlt werden müssen. Beispiele dafür sind Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Gelbfieber. Auch einige Dosieraerosole gegen Asthma sowie einige Glaukom-Augentropfen müssen ununterbrochen gekühlt werden.

„Wenn ein Arzneimittel kühlpflichtig ist, so ist das auf der Packung vermerkt. Patienten, die unsicher sind, können aber jederzeit in ihrer Apotheke fragen“, sagt Berend Groeneveld, Apotheker und Patientenbeauftragter des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). „Hitzeempfindliche Medikamente können unterwegs in einer Kühltasche ohne Kühlelemente verstaut werden. Vorsicht aber bei Medikamenten wie Insulin, die zuhause im Kühlschrank gelagert werden müssen! Das Insulin kann unterwegs in einer Kühlbox mit Kühlakku gelagert werden, darf aber nicht einfrieren und sollte deshalb mit einem Handtuch umwickelt werden. Insulinpens, die im Gebrauch sind, können bei Raumtemperatur gelagert werden, aber nicht über 25 Grad Celsius.“

Groeneveld weiter: „Kühlpflichtige Arzneimittel eignen sich kaum für den Versandweg. Bei Arzneimitteln aus der Apotheke vor Ort ist die Temperaturführung vom Hersteller über den Großhandel bis zur Abgabe an den Patienten indes garantiert. Deswegen ist es für Patienten wichtig, eine Apotheke in der Nähe zu haben.“


Hausapotheke prüfen

Der Apotheker hilft bei der Zusammenstellung der Hausapotheke. Foto: ABDA
Der Apotheker hilft bei der Zusammenstellung der Hausapotheke. 
Foto: ABDA
Einmal im Jahr sollte jede Hausapotheke kontrolliert und ergänzt werden. Unbrauchbare oder nicht mehr benötigte Arzneimittelreste werden dabei aussortiert. „Ist das Verfallsdatum eines Medikaments überschritten, darf es nicht mehr angewendet werden. Das gilt auch, wenn das Medikament äußerlich einwandfrei erscheint“, sagt Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer. Denn Arzneistoffe verändern sich auch bei sachgemäßer Lagerung im Laufe der Zeit. Zu lange gelagerte Medikamente können unwirksam werden oder im schlimmsten Fall sogar schädliche Nebenwirkungen hervorrufen.

Unbrauchbare Arzneimittel können Verbraucher in aller Regel über den Hausmüll entsorgen. In den allermeisten Kommunen wird der Restmüll verbrannt und die Arzneimittel somit sicher vernichtet. Einige Apotheken bieten als freiwilligen Service an, Altmedikamente zu entsorgen. Auf keinen Fall sollten Medikamente hingegen über die Toilette entsorgt werden, denn das gefährdet das Grundwasser.

In die Hausapotheke gehören neben individuell benötigten Medikamenten vor allem Präparate gegen akute Erkrankungen, zum Beispiel gegen Schmerzen oder Durchfall. Empfehlenswert sind ebenfalls Verbandstoffe wie Mullbinden oder Kompressen sowie ein Fieberthermometer und eine Pinzette. Auch die wichtigsten Adressen und Telefonnummern sowie eine Erste-Hilfe-Anleitung sollten nicht fehlen.

Was in eine Hausapotheke gehört, hängt auch von den Lebensumständen und den individuellen Bedürfnissen ab. Eine Familie mit kleinen Kindern braucht eine andere Hausapotheke als ein sportlicher Single. Der Apotheker hilft gerne bei der Zusammenstellung.


Schuppenflechte besser heilbar

In den letzten Jahren ist es gelungen, die Entzündungsvorgänge der Schuppenflechte besser zu verstehen und mit neuen Arzneimitteln gezielt zu behandeln. „Das hat die Therapie deutlich verbessert“, sagte Prof. Dr. Claudia Pföhler beim pharmacon, einem internationalen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer. Die Dermatologin lehrt am Universitätsklinikum des Saarlands.

An Schuppenflechte leiden rund zwei Millionen Bundesbürger. Die chronisch-entzündliche Hautkrankheit geht oft mit anderen Krankheiten wie Diabetes oder Depressionen einher. Die Therapie der Schuppenflechte orientiert sich daran, wie ausgeprägt die Symptome sind. Die ärztliche Leitlinie empfiehlt, leichte Fälle mit Cremes und anderen extern angewendeten Arzneimitteln zu behandeln. In schwereren Fällen oder wenn Gelenke betroffen sind, werden systemisch wirkende Arzneimittel eingenommen oder injiziert. „Patienten wünschen sich meist das völlige Verschwinden der Symptome. Das ist nicht immer möglich. Aber eine deutliche Besserung erreichen wir heute in vielen Fällen.

In schweren Fällen werden gegen Schuppenflechte Arzneimittel eingesetzt, die gezielt gegen einzelne Entzündungs-Botenstoffe wirken. Diese Substanzen gehören zur Gruppe der so genannten „Biologicals“. In der Anfangsphase werden sie vom Arzt injiziert. Später spritzt sich der Patienten die Arzneimittel etwa einmal im Monat selbst.Wichtig ist, dass der Patient diese Injektionen nicht vergisst, denn das könnte zu einem Versagen der Therapie führen. Pföhler: „Mit den Biologicals lassen gute Erfolge erzielen. Aber da sie relativ teuer sind, werden sie vom Arzt nur dann eingesetzt, wenn andere Behandlungsversuche nicht erfolgreich waren.“


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Veröffentlicht am 22.01.2018 16:06 Uhr



 




 





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